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Erfolgsautor interviewt Erfolgsautoren
Sie veröffentlichen Liebesromane, Klassiker, Krimis, Western, Fantasy-Schmöker, Thriller, Horror oder Ratgeber; verschiedene Charaktere, angetrieben von verschiedenen Motiven und Zielen und doch ist ihnen eines gemeinsam: Alle waren sie im Jahr 2011 mit ihren E-Books auf der deutschen Kindle-Hitliste der erfolgreichsten Bücher, ohne dabei von den großen etablierten Verlagen gepusht worden zu sein. Ruprecht Frieling, seines Zeichens selbst erfahrener Verleger und Erfolgsautor, ist es gelungen, die Stars der Indie-Elektrobuchszene exklusiv zu interviewen und das Ergebnis ist nicht nur für Branchenkenner und Insider höchst interessant. Die Gespräche sind durchaus in lockerem Plauderton geführt, aber dennoch alles andere als oberflächlich und belanglos; bereitwillig berichten die Befragten über ihre Verkaufszahlen, Strategien und Pläne und animieren somit Ambitionierte zur Nachahmung. Deutlich wird dabei immer wieder, dass Qualität zwar unabdingbar, aber alleine nicht ausreichend ist, die Werke wollen auch entsprechend beworben und kommuniziert werden. Natürliches bietet sich dafür das Internet mit seinen gut vernetzten social communities an, Facebook, Twitter, Google+, Blogs, etc. Und noch eine Lehre lässt sich aus der Lektüre von Frielings neuem Buch ziehen: Die ?Holzbuch?-Verlage in Deutschland stehen dem nicht mehr ganz so neuem Phänomen immer noch erschreckend hilflos gegenüber und drohen - nicht zuletzt wegen ihrer bizarren Preispolitik - den Anschluss zu verlieren. Im letzten Kapitel widmet sich der Verfasser ? quasi als Zugabe ? noch dem Konzept des amerikanischen Kindle-Königs John Locke, der seine E-Books zielgruppengerecht schreibt und damit millionenfachen Erfolg hat. Fazit: Dieses Buch ist nicht nur unverzichtbar für angehende Elektro-Autoren, sondern bietet auch allen anderen Interessierten beste Unterhaltung in der von Frieling gewohnten exzellenten Qualität! Wilhelm Ruprecht Frieling Wie man erfolgreich E-Books verkauft Internet-Buchverlag 2012 ASIN: B00718YQKO Kommentare
Prinz Rupi interviewt Top-Autoren
zur Frage, die angehende Schriftsteller derzeit wohl am meisten bewegt: Wie man erfolgreich E-Books verkauft. In seinem neuen Werk veröffentlicht Wilhelm Ruprecht Frieling exclusive Interviews mit E-Book Autoren, die es geschafft haben. Es geschafft haben, sich abseits oft eingefahrener Verlagswege und aus eigener Kraft in die Kindle-Bestsellerlisten zu schreiben. Die Autoren plaudern aus ihrer Schatzkiste, geben Tipps und verraten Tricks, verhehlen aber auch nicht, wieviel eiserner Wille und Herzblut für diesen steinigen Weg nötig ist. Frieling -selbst einer der erfolgreichsten deutschen E-Book-Seller- weiß, wovon seine Interview-Partner sprechen. Er ist bei seiner stetig wachsenden Fangemeinde nicht nur als eloquenter Erzähler, sondern auch als begabter Zuhörer mit dem speziellem Talent des "zwischen den Zeilen lesen und hören" beliebt und berüchtigt. Frieling war sein Leben lang ein Pionier und so nimmt es nicht weiter Wunder, dass er sich binnen eines Dreivierteljahres auch einen exzellenten Ruf als Vorreiter der E-Book-Szene erarbeitet hat. In Summe nur folgerichtig, dass dieser in der Verlagsszene durchaus gefürchtete Querdenker nun das hier vorliegende Interview- und Ratgeber-Buch herausgegeben hat. Welches im Übrigen nicht als statisches Werk angelegt ist, sondern als Fortsetzungsgeschichte. Im Laufe der Entwicklung sollen weitere Autoren interviewt werden, um so eine umfassende Dokumentation der Erfolgsgeschichte deutschsprachiger Kindle-Autoren entstehen zu lassen. Frieling interviewt Autoren quer durch alle Genres. So erklärt Fantasy Autor Michael Erle seine Einschätzung und Nutzung sozialer Netzwerke, Dirk Bongardt, Verfasser der erfolgreichen Al Wolfson Chroniken, erklärt, warum zielgruppenorientiertes Schreiben zum Erfolg führt und Krimi Autorin Birgit Böckli gibt ehrlich zu, einen Teil ihres Erfolges auch an den im Kindle Segment möglichen Kampfpreisen auszumachen. Nicht alle Interviewpartner sind so en Detail auskunfsfreudig. Manche plaudern freundlich, bleiben aber wie Matthias Matting, die Nr.1 unter den Kindle Autoren, in Sachen Tipps doch recht zugeknöpft und lassen allenfalls erahnen, warum auch in Sachen E-Book Marketing Apple als Vorbild taugt. Der "NullPapier"Verleger Jürgen Schulze, der sich auf die Aufbereitung und Herausgabe gemeinfreier Schriften (Grimms Märchen) spezialisiert hat, bringt es als Essenz pragmatisch auf den Punkt. "Pioniergewinne einstreichen, investieren, Rationalisierungspotenziale suchen und offen für Neues sein". Wie ein roter Faden zieht sich aber auch die Erkenntnis von Emily Bold, Verfasserin historischer Liebesromane, durch die Interviews: Self-Publishing ist ein Vollzeitjob. Fast alle können ein Lied von nächtlicher Heimarbeit singen, fast alle verweisen auf die Knochenarbeit abseits ihrer eigentlichen Berufung, nicht wenige wünschen sich eine professionellere Betreuung. Es bleibt spannend, wieviel Bewegung diesbezüglich noch in die Verlagsszene kommen wird. Jedem designierten E-Book-Autor sei Frielings Interview Band ans Herz gelegt. Er findet dort wichtige Tipps, durchaus aber auch so manches, worüber sich nachzudenken lohnt. Denn vor den Erfolg hat der liebe Gott auch bei Kindle Schweiß und Fleiß gesetzt. Frieling ergänzt den Band mit einer ausführlichen Schilderung der Techniken des US-Erfolgsschriftstellers John Locke, welcher mit zielgerichtetem Marketing 1.100.000 E-Books in fünf Monaten verkaufte und allen künftigen E-Book-Autoren den klugen Rat mit auf den Weg gab: Wer Dein Buch nicht mag, gehört nicht zu Deiner Zielgruppe. Wilhelm Ruprecht Frieling Wie man erfolgreich E-Books verkauft Interviews mit Top-AutorenKindle Edition 2012ISBN 978-3-941286-75-7 nur ? 2,99 bei Amazon.de Kommentare
Tad Williams, Superstar der Fantasy-Autoren, liest Foto: © Ruprecht Frieling Tad Williams hat sein rund 4000 Seiten starkes Fantasy-Epos »Shadowmarch« abgeschlossen. Das vierbändige Monumentalwerk ist inzwischen auch auf deutsch verfügbar. Wer Zeit sparen will, erfährt hier im Schweinsgalopp alles Wesentliche über den »Riesentanker von Story«. Shadowmarch 1. Die Grenze Garstige Lindwürmer überqueren die Grenze, grimmige Vögel mit Eisenschnäbeln schlagen Schafe, und graue Reiter legen im Auftrag des blinden Qar-Königs Ynnir ein geheimnisvolles Findelkind in der Südmark ab, über die König Olin Eddon dynastisch herrscht. Das ausgesetzte Kind wird von Chert und Opalia aufgenommen, einem Ehepaar vom Zwergenvolk der Funderlinge, das im Feld unter der Burg lebt. Sie nennen das geheimnisvolle Findelkind Flint. Jenseits der für Menschen unpassierbaren Grenze lebt das alte Volk der Qar, das Jahrhunderte zuvor von ihren alten Wohnsitzen vertrieben wurde und sich seitdem hinter Nebelwänden verschanzt. Doch genau diese Schattengrenze beginnt sich plötzlich auszudehnen, und es scheint, als ob die alten Völker die Grenze überschreiten und ihr vor Jahrhunderten verlorenes Reich zurück verlangen. Auf der Südmarksburg, dem Sitz der Herren der Mark, überschlagen sich derweil die Ereignisse: König Olin wird von Feinden gefangen gehalten. Prinzessin Briony, seine einzige Tochter, soll als Teil des Lösegeldes an die Entführer gehen. Ihr als Olins Vertreter regierender älterer Bruder Kendrick will sich auf den Handel einlassen. Jedoch wird der Prinzregent heimtückisch ermordet. Briony sowie ihr kränklicher Zwillingsbruder Barrick besteigen den Thron und übernehmen die Regierungsgeschäfte. Ihr treu ergebener Waffenmeister und Mentor Shaso wird der Bluttat verdächtigt und in Ketten gelegt. In einem Strudel höfischer Intrigen und blutiger Kämpfe um die Krone erkennen die nun regierenden Eddon-Zwillinge spät, dass die von der Qar-Adligen Yassamez geführten Angreifer aus dem Nebelreich bereits vor den Toren der Stadt lagern. Diese steigen aus den dunkelsten Träumen der Königstreuen hervor und stiften heillose Verwirrung unter den Südländern. Barrick macht sich an der Seite treuer Gefährten auf, gegen den Feind zu ziehen. Doch damit kommt der Mahlstrom der Ereignisse erst richtig in Fahrt ? Seine Zwillingsschwester Briony wird darauf von Hendon Tolly attackiert, der an die Macht drängt. Mit knapper Not entkommt sie seiner Mordlust und kann aus Südmarksburg fliehen. Tad Williams beginnt seine Tetralogie über die Schattenmark, indem er die zahlreichen Figuren, Völker und Kreaturen schrittweise und nachvollziehbar in die Handlung einführt. Das erleichtert es dem Leser, in das vielschichtige Geschehen einzutauchen und stärkt den weiten Spannungsbogen. Williams ist ein kunstvoller Erzähler mit enormem handwerklichen Geschick und hohem sprachlichen Niveau. »Shadowmarch« ist keine dieser hundertundeins Fantasy-Geschichten, die in Tolkiens Gefolge das Genre aufgeschwemmt haben, obwohl seine Figuren und Völker durchaus an den »Herrn der Ringe« erinnern. Williams gehört zu den großen Erzählern. In Idee, Ausführung, Sorgfalt und Logik eilt er mit diesem Werk anderen Autoren um Längen voraus! Shadowmarch 2. Das Spiel Mit dem Vormarsch einer Riesenstreitmacht der elbischen Qar unter Führung von Fürstin Yassamez gegen Südmark scheint die Welt aus den Fugen zu geraten. Im Reiche König Olin Eddons, der selbst gefangen in Hierosol sitzt und gegen ein hohes Lösegeld ausgetauscht werden soll, findet ein heimlicher Umsturz statt, der die Tolly-Brüder an die Macht bringt. Begünstigt wird der Regierungswechsel durch das Verschwinden von Prinz Barrick, der mit dem ihm treu ergebenen Gardehauptmann Vansen hinter der Schattengrenze verschollen ist. Seine Zwillingsschwester, Prinzessin Briony Eddon von Südmark, entkommt den Thronräubern mit Hilfe des einstigen Waffenmeisters von Südmark, Shaso dan Heza und rettet ihr Leben. Barrick Eddon und Ferras Vansen geraten in den Schattenlanden in die Hände des blutrünstigen Halbgottes Kituyik, der den versunkenen Tempel des Erdgottes Kernios wieder öffnen will, um sich die Macht der schlafenden Götter einzuverleiben. Sie schließen Freundschaft mit Gyir Sturmlicht, einem Schattenländer. Dieser vertraut Barrick einen wertvollen Wahrsagespiegel an. Barrick soll den Spiegel dem Qar-König Ynnir übergeben. Währenddessen schickt der Autarch Sulepis, Gottkönig von Xis, dem mächtigsten Reich auf dem südlichen Kontinent Xand, eine Armada gegen Hierosol, um sich das gesamte Land Eion im Norden einzuverleiben. König Olin fällt dabei in seine Hände. Gleichzeitig greift der größenwahnsinnige Autarch Südmark an, deren Burg bereits von den Qar belagert wird. Die Elbenarmee aus dem Schattenland wartete bislang mit einem Angriff auf die Burg, um den geheimnisvollen »Pakt des Spiegelglases« zu erfüllen. Mit diesem Pakt sollen die Götter besänftigt werden, die in das Reich des Schlafes verbannt wurden und sich danach sehnen, wieder in das Reich des Wachens zu kommen. Der Schlaf der Götter ist flach und fragil, ihre Gedanken drängen sich in die Gedanken und Träume der Völker und machen sich noch in vielerlei anderen Dingen bemerkbar. Der Gegenstand, nach dem die Qar streben, um schlimmstes Unheil zu verhindern, befindet sich ausgerechnet in der Burg, aus der sie vor Jahrhunderten vertrieben wurden, und die einst sogar Sitz der Götter selbst war: Südmark. Gewaltige Armeen sammeln sich zu Füßen der Südmarksburg und erschüttern die Südmarksfeste und ihre Bewohner: die Menschen, die zwergenartigen Funderlinge, die versteckt lebenden winzigen Dachlinge und die auf dem Wasser wohnenden Skimmer. Wie geht das Ringen um die Macht aus? Tad Williams gelingt das Wunder, die Perspektive des Betrachters zu verschieben. Gutes kann danach, historisch betrachtet, durchaus böse sein, und im vermeintlich Bösen liegt wiederum positive Kraft, lernt der Leser. Der Autor versteht es sogar, mit dem zweiten Band von »Shadowmarch« den Spannungsbogen noch weiter zu spannen und die Schilderung der Persönlichkeiten der verschiedenen Spielfiguren zu vertiefen. Trotz der schier unendlichen Zahl der auftretenden Personen, der zahlreichen Familien, Völker und Wesen hält er scheinbar mühelos die Fäden in der Hand und verknüpft sie mit großem Geschick. Ähnlich wie bereits in seinem Epos »Otherland« stellt Williams jedem Kapitel einen scheinbar zusammenhanglosen Text voran, der zu einer weiteren und zwar tieferen Ebene zusammenwächst, die der aufmerksame Leser nach und nach entschlüsselt. Williams literarisches Gesamtkunstwerk ist zwischen Historienroman, Fantasyepos und mythologischem Drama angesiedelt und derart atemberaubend kunstvoll gesponnen, dass jedem, der sich darauf einlässt, allein schon in handwerklicher Hinsicht der Atem geraubt wird. Shadowmarch 3. Die Dämmerung Prinzession Briony, die sich unter einer Gauklertruppe versteckt hielt, ist in die Hände syanesischer Soldaten gefallen. Als »Gast« wird sie am Hofe von König Enander festgehalten und entgeht nur knapp mehreren Mordanschlägen. Derweil irrt ihr Zwillingbruder Barrick in Begleitung des Raben Skurn durch den Wald der gefährlichen Seidenspinner im Schattenland. Unter Lebensgefahr und auf geheimnisvollen Wegen gelangt er in der Land der träumenden Götter, die Gott Krummling in den Schlaf fallen ließ. Auf Krummlings historischen Straßen schafft Barrick es bis in die Residenz des blinden Qar-Königs Ynnir, um ihm den Spiegel zu bringen, der ihm von Gyir Sturmlicht anvertraut wurde. Ynnir, der im Sterben liegt, überträgt Barrick die Kraft der Feuerblume, eine Flamme der Unsterblichkeit, wie sie die Götter tragen. Diese Kraft wird von ihren Trägern an ihre jeweiligen Kinder weitergegeben, lediglich die Südmarksburg belagernde Quar-Fürstin Yasammez hat sie durch die Jahrhunderte nie hingegeben. Yasammez will sich an den Menschen rächen, weil diese ihre Schwester, die Quar-Königin Saqri ermordet haben sollen. Lediglich durch ein von Ynnir durchgesetztes Abkommen, der Pakt des Spiegelglases, wird sie noch zurück gehalten. Ynnir vermag durch die Weitergabe de Feuerblume und seinen eigenen Tod auch, Königin Saqri aus dem Reich der Toten zurückzuholen und wieder zu erwecken. Im dritten Teil von »Shadowmarch« wird das engmaschige Geflecht der vielen Figuren noch komplexer. Dachlinge, Funderlinge, Zwielichter, Traumlose, Stoltewichte und Menschen treten auf. Weinende Schatten, Gestalten aus Spinnweben, samtene Ratten, Männer mit glutroten Augen, riesige Wasserwesen, Hammerfüße, Tiefenettins und andere Urwesen aus den Tiefen der Erde kommen hervor. Der Autor zieht alle Register der Phantasie und schafft es dennoch, alle Fäden seines Epos gespannt zu halten. In einem Gespräch, das ich mit Tad Williams bei der Vorstellung des vierten und letzten Bandes von »Shadowmarch« führen konnte, bezeichnete er sich selbst als »Kontrollfreak«. Damit erklärt er seine Fähigkeit, den Überblick über das gewaltige Getümmel zu behalten. Er will alles selbst gestalten vom Kostüm über das Licht bis hin zur Dramaturgie und kommt ohne Exposés, Stammbäume oder Hilfsmaterialien aus. Tad Williams schreibt in kräftigen Schwüngen und überarbeitet seine Romane nicht wesentlich. Er behauptet sogar, die Manuskriptteile später nicht einmal mehr zu lesen. So verwundert es wenig, dass dieses anfangs auf drei Bände konzipierte Opus noch einen vierten Teil benötigt, um die Protagonisten zur letzten Schlacht wieder zusammen zu führen. Und es liegt in der Struktur der Erzählung, dass dieses Gefecht im Herzen der Südmarksburg geführt werden muss. Shadowmarch 4. Das Herz Im vierten und letzten Band der Tetralogie »Shadowmarch« bringt Tad Williams sein Desaster-Epos vom Aufstieg, Fall und Untergang mächtiger Reiche zu voller Blüte. Die Geschichte gipfelt in einem gewaltigen Krieg, den keiner gewinnen kann und der selbst ärgste Feinde zu Verbündeten macht. Quar und Funderlinge schließen sich zusammen gegen den wahnsinnigen Autarchen Sulepis, Gottkönig des Großreiches Xis, der in der Mitsommernacht mit dem Blut von König Olin dunkle Götter erwecken will, die voller Zorn auf alles Lebende sind. Der Autor zieht alle Register, um die von ihm geschaffenen Völker über und unter der Erde, aus Licht- und aus Schattenreichen in ein voluminöses Schlachtengemälde einzupflegen, das in der Fantasyliteratur seinesgleichen sucht und in Grausamkeit, Verblendung, Hass und Rachsucht streckenweise selbst die Schlachten in Tolkiens »Herr der Ringe« an die Wand spielt. Einzelschicksale werden unwichtig, wenn ganze Völker im Spiel der Mächtigen aufgerieben und vernichtet werden. Und dennoch webt Tad Williams geschickt den Schicksalsfaden der königlichen Zwillinge Briony und Barrick in den Handlungsstrang, die voneinander getrennt zurück zur Südmarksfeste streben, wo der Endkampf tobt, um dort um ihr Leben wie um ihr Erbe zu kämpfen. Geister der Vergangenheit treffen auf Machtbessene der Gegenwart, schlafende Schatten erwachen, magische Kräfte werden freigesetzt und wie in einem Puzzle entsteht aus vielen tausend Stücken ein Gesamtbild, in dem jede Figur ihren Platz findet und ihre Geschichte vollendet. Tad Williams nennt sein vierteiliges Opus selbst einen »Riesentanker von Story«. Es ist beeindruckend, wie detailliert und differenziert er jedes Stockwerk, jedes Deck, jeden Raum und jeden Passagier dieses Monstrums ausleuchtet, beschreibt und miteinander verbindet. Sein Fantasy-Epos liest sich zugleich ungemein spannend und man mag trotz der vielen Mitwirkenden, Ebenen und Handlungsstränge auch den vierten Band erst aus der Hand legen, wenn die allerletzte Seite umgeschlagen ist und vieles schließlich ganz anders endet als erwartet ? Tad Williams: Shadowmarsch Band 1 ? 4 Verlag Klett-Cotta Stuttgart 2005-2011 Wer sich näher mit Tad Williams beschäftigen möchte, sei auf sein ebenso gewaltiges, vierteiliges Cyberspace-Epos »Otherland« hingewiesen. Meine Komplettbesprechung findet sich hier: OTHERLAND Kommentare
Dietrich Faber - Toter geht's nicht
Henning Bröhmann ist Kriminalhauptkommissar in der mittelhessischen Provinz und pflegt am liebsten sein Phlegma. Damit ist es jedoch schlagartig vorbei als ihn seine Frau verlässt, die eine Auszeit braucht und nach dem Faschingsumzug ein toter Tod entdeckt wird. Nun ist der Kommissar gefordert; er muss die Kinder und Hund Berlusconi versorgen und einen Mörder suchen, dessen Opfer zunächst keinerlei Anhaltspunkte liefert. Entsprechend schleppend gestalten sich die Ermittlungen, sie bescheren schaurige Schlagergalas und ungebetene väterliche Ratschläge, nichts was wirklich weiterhilft. Doch dann gibt es einen zweiten Toten... Dietrich Faber, der bisher hauptsächlich kabarettistisch tätig war, hat mit "Toter geht's nicht" ein durchaus respektables Romandebüt abgeliefert. Seine Herkunft kann (und will) er dabei freilich nicht verleugnen, denn trockener Humor und Satire mit bewusst bedienten Klischees überwiegen im Buch, der kriminalistische Teil mit der eher zufälligen Auflösung des Falles ist eher Beiwerk. Dennoch funktioniert der Roman als erster Teil einer Serie, die Figuren werden eingeführt und können deshalb entsprechend ausführlich in ihrem Lebensumfeld verankert werden. Das Buch ist flüssig geschrieben und witzig, der Kommissar als plötzlich alleinerziehender Vater sympathisch und auch die anderen Charaktere kommen stilsicher daher, Leute eben, wie es sie nicht nur in der hessischen Provinz gibt. Mundart kommt kaum vor, die Leserschaft muss also nicht regional beschränkt werden. Fazit: Macht richtig Spaß, Fortsetzung erbeten und beim nächsten Mal vielleicht etwas mehr Krimielemente. Dietrich Faber Toter geht's nicht Rowohlt Polaris, 2011 ISBN-13: 978-3862520244 Kommentare
Jonathan Rabb ? A Berlin Trilogy
Band 1: Rosa Berlin 1919: Die Hauptstadt ist arg gebeutelt von den Irrungen der Nachkriegszeit und den Wirrungen der deutschen ?Revolution? und zu allem Überfluss hat es Kripo-Kommissar Hoffner auch noch mit einem Serienmörder zu tun, der seinen Opfern exzentrische Muster in den Rücken schneidet. Die Ermittlungen laufen auf Hochtouren, doch dann nimmt der Fall eine überraschende Wendung, als ein neues Opfer entdeckt wird: Rosa Luxemburg. Die Gründerin und Führerin der Kommunistischen Partei Deutschlands war seit dem gescheiterten Spartakus-Aufstand vermisst und Hoffner wird schnell klar, dass sich dadurch alles verändert. Nun muss er nicht nur einen Mörder suchen, sondern sich auch mit den verschiedenen politischen Strömungen dieser unruhigen Zeit befassen ohne zwischen deren Fronten zu geraten, denn die Polpo (Politische Polizei) wartet nur darauf, dass er einen Fehler macht... Band 2: Shadow and Light Berlin 1927: Kommissar Hoffner wird zu den Ufa-Filmstudios in Babelsberg zitiert um einen vermeintlichen Selbstmord zu untersuchen. Doch wie im Film sind die Dinge nicht so wie sie scheinen und Hoffner findet viel mehr Fragen als Antworten: Ist es wirklich möglich, Filme mit Ton zu produzieren? Wer könnte Interesse an Pornos haben? Was genau wollen die Amerikaner aus Hollywood? Und welche Rolle spielt eigentlich der egomanische Regisseur Fritz Lang? So beginnt eine lange Reise, die den Kommissar zu den dunklen Seiten Berlins führt, Drogen, Sex und Dekadenz als scharfer Kontrast zur Ufa-Scheinwelt. Aber er hat auch noch private Angelegenheiten zu regeln, seine Söhne drohen ihm zu entgleiten und besonders der Ältere unterhält ungesund engen Kontakt zu einer neuen politischen Gruppierung und einem kleinen hinkenden Mann namens Joseph Goebbels... Band 3: The Second Son Berlin 1936: Die Stadt wird herausgeputzt für die Nazi-Olympiade und Kommissar Hoffner muss den Dienst quittieren, seine Mutter war Jüdin. Er hat auch sogleich Verwendung für die neu gewonnene Zeit, denn er reist nach Barcelona, wo sein Sohn Georg vom Ausbruch des spanischen Bürgerkriegs überrascht wurde und seitdem als vermisst gilt. Dort angekommen gerät er schnell in einen Strudel aus Misstrauen und Verrat, finstere Machenschaften ausländischer Geheimdienste und natürlich zwischen die Fronten der verschiedenen einheimischen Kämpfer. Tatsächlich findet er Spuren seines Sohnes und er nimmt unter meist chaotischen Umständen die Verfolgung auf. Doch Eile ist geboten, denn die Zeit ist knapp und die faschistischen Franco-Rebellen rücken immer näher... Jonathan Raabs Romantrilogie wäre mit der Bezeichnung Kriminalliteratur nur äußerst unzureichend etikettiert, bietet sie doch sehr viel mehr. Personen der Zeitgeschichte wie Albert Einstein oder Fritz Lang werden in einer Mischung aus Fakt und Fiktion in den historisch politischen Hintergrund eingebunden und verleihen dem Werk dadurch eine faszinierend dichte Atmosphäre. Kommissar Hoffner ist der tragische Anti-Held, ein einsamer Wolf, stets zum Scheitern verurteilt, vom Leben bestraft durch zahlreiche Nackenschläge, die im letzten Buch allerdings für meinen Geschmack ein wenig zu heftig ausfallen. Aber zumindest die ersten beiden Romane haben noch eine zweite Hauptfigur und die heißt Berlin. Dem Autor gelingt es überzeugend, die Stimmungen einzufangen, mal melancholisch, mal morbide dekadent, auch düster und bedrohlich, wenn er den sich schon früh abzeichnenden Aufstieg der Nazis und ihrer Helfer beschreibt, Berlin noir in Reinkultur. Die Sprache ist dazu passend dicht und intensiv, beschränkt auf das Wesentliche, befreit von überflüssigem emotionalem Ballast. Wer sich auf diese Art von Literatur einlässt, dem sei die Berlin-Trilogie wärmstens ans Herz gelegt, ich jedenfalls hätte etwas versäumt, wenn ich auf die Lektüre verzichtet hätte. Jonathan Rabb - A Berlin Trilogy Rosa Shadow and Light The Second Son Halban, 2011 Kommentare
Michael Degen - Familienbande
"Dein Vater wird auch dann noch am Leben sein, wenn längst niemand mehr weiß, dass es Nachkommen von ihm gegeben hat." *1 Diesen Satz sagt die Mutter nach dem Tod des Vaters zu ihrem jüngsten Sohn Michael. Sie meint das nicht böse, sie sagt es nicht im Streit. Das ist eben ihre Sicht der Dinge, ihre Sicht auf die Bande, die ihre Familie umschlingen. Die Mutter ist Katia Mann und der Vater, das ist Thomas Mann, der Zauberer. Kaum eine Familiengeschichte ist so umfassend dokumentiert wie die der Manns. Doch im Mittelpunkt öffentlicher Aufmerksamkeit stand stets der Zauberer selbst, allenfalls die Söhne Klaus und Golo und die Tochter Erika erfuhren relevantes Interesse.Über den jüngsten Sohn, Michael, liest man meist nur eine Randnotiz wie "Michael ist Musiker und hat ein Programm vorzubereiten." *2. Michael Degen erzählt in seinem Roman Familienbande von Michaels Leben, seiner zerrissenen Persönlichkeit, seiner Sehnsucht nach Anerkennung und Liebe im kalten Umfeld einer intellektuellen Familie. Michael war von den sechs Kindern Thomas Manns das ungewollte, das ungeliebte Kind. Ein Kind, dem der große Schriftsteller mit Distanz, zeitweise mit Verachtung und Ekel begegnete. Die Mutter stellte ihren Gatten und sein Ausnahmetalent über alles, auch über ihre Kinder. Michael, Bibi genannt, ist als Kind schon schwierig, früh zeigt sich ein Hang zur jähzornigen Gewalttätigkeit. .Seine Frau Gret, Gefährtin seit Jugendtagen, wird die Einzige sein, der es gelingt, ihn halbwegs in der Spur des Lebens zu halten. In den Kriegsjahren, als die Familie in alle Winde zerstreut wird, erblüht Michael Manns Liebe und Talent zur Musik. Er wird zu einem der besten Bratschisten des letzten Jahrhunderts. Gemeinsam mit Yaltah Menuhin gibt er umjubelte Konzert auf ausgedehnten Tourneen. Doch es reicht nie. Der Vater verweigert die Anerkennung. Ein Musiker sei lediglich reproduzierender Künstler, keiner, der etwas erschaffe. Bis zum Lebensende Thomas Manns schaffen es Vater und Sohn gerade eben, ein Arbeitsverhältnis zu haben, als Thomas Mann Hilfestellung Michaels zum Dr. Faustus annimmt. Michaels ältester Sohn, Frido wird hingegen vom Großvater mit Liebe überschüttet, "für dieses junge Leben trägt er Segenswünsche im alten Herzen" *3 Auch dies löst in Michael Mann äußerst ambivalente Gefühle aus, welche seine eigene kleine Familie zu zerstören drohen. Nach dem Tode des Vaters bricht Michael jäh mit seiner bisherigen Karriere und beginnt eine zweite als Germanist. Auf Bitten der Mutter gibt er schliesslich die unveröffentlichten Tagebücher des Vaters heraus. Doch mit dem, was er darin über sich selbst lesen muss, wird er zeitlebens nicht fertig werden können. Wie Klaus hat auch Michael einen Hang zur Selbstzerstörung, schließlich stirbt auch er in einem Exzess aus Alkohol und Drogen. Michael Degen ist ein großartiger Roman von bemerkenswerter Dichte gelungen. Man merkt an jeder Stelle des Romans, wie sehr dem Autor Sprache am Herzen liegt und wie virtuos er damit umzugehen versteht. Er beschönigt nichts, er wirbt auch nicht um Verständnis, er erklärt. Doch dem Leser sind die Charaktere stets nah. Darin liegt eine große Stärke dieses Buches. Ganz sicher ist es auch ein großer Verdienst des Autors, das Schicksal Michael Manns aus einer Ecke herausgeholt zu haben, in die es nicht gehörte und Dinge zu beleuchten, die bisher kein großes Interesse fanden. So war mir neu, dass Michael Mann gemeinsam mit Yaltah Menuhin konzertierte. Diese Tatsache alleine ist schon so interessant, dass ich mich ernsthaft frage, warum dies niemand bisher eines Romans für würdig befunden hat. Der Sohn eines berühmten Vaters, die Schwester eines berühmten Bruders ? "wir haben beide unser Päckchen zu tragen". So lässt es Michael Degen die schöne Geigerin sagen. Welch ein Thema. Zwei hochbegabte Künstler, gefeiert, aber nie aus dem übermächtigen Schatten der berühmten Verwandschaft heraustreten könnend. Sie werden bejubelt auf ihren Reisen, doch in den Behelfs-Schaufenstern der Nachkriegszeit hängen nur Plakate des Zauberers. Dennoch - Familienbande ist ein Roman. Keine Biographie.Ich bin hinlänglich, aber nicht in allen Details mit der Geschichte der Familie Mann vertraut und bin mir nicht sicher, was in diesem Roman Fiktion und was wirklich so geschehen ist. Degen belegt zwar seine Zitate, verweist im Roman selbst auch auf verschiedene Quellen, aber ich hätte es schon gerne etwas genauer gehabt. Ich wüsste gerne, ob Katia Mann den eingangs erwähnten Satz wirklich so gesagt hat. Auch erschien mir die Person Gret Mosers zu verklärt. In Interviews mit Frido Mann liest sich das signifikant anders. Darüber hinaus hat mich irritiert, dass die Adoptivtochter von Gret und Michael, Raju, Degen nicht eine einzige Erwähnung wert war. Nichtsdestotrotz oder gerade deswegen ist Familienbande ein tief berührender, aber auch verstörender Roman, der auch abseits der Thomas-Mann-Gemeinde sein Publikum finden sollte. Er zeigt eindrücklich, was Familienbande lebenslang unabänderlich anrichten können Man ist versucht, während der Lektüre zu seinen Kindern zu gehen und zu fragen: Ihr wisst schon, dass ich Euch lieb habe und stolz auf Euch bin? Der Autor: Michael Degen ist einer der renommiertesten Schauspieler Deutschlands. Seit seiner Autobiographie "Nicht alle waren Mörder" ist er auch als Schriftsteller überaus anerkannt. Als Schauspieler ist er mir vor allem erinnerlich als Meister der leisen Töne und genau diese sind es auch, welche die Familienbande so lesenswert machen. Michael DegenFamilienbandeVerlag Rowohlt Berlin, 2011ISBN 978-3-87134-633-0 Quellenangabe: *1 S.461, Familienbande*2 aus Heinrich Breloer, die Manns*3 aus Briefwechsel Thomas Mann/ Agnes Meyer Kommentare
Tom Finnek - gegen alle Zeit
Henry Ingram verdient sein Brot im London unserer Tage mehr schlecht als recht mit der Schauspielerei. Nach langer Durststrecke bekommt er endlich ein ordentliches Engagement. Er gibt den Captain Macheath in der "Bettleroper", zu der schon Brecht anmerkte, dass sie richtig "des Bettlers Oper" heißen müsse. Die Premiere ist umjubelt, doch dann verlässt ihn sein Glück. Am Tag nach der Premierenfeier wacht er reichlich verkatert im verlotterten Keller von "Mother Blake's Gin Shop " auf. An viel kann er sich nicht erinnern. Irgendetwas war da mit einer Eisenstange, mit Blut und mit leidenschaftlichen Küssen seiner Freundin, die nur dummerweise nicht ihm galten. Als er noch benommen auf die Straße tritt, ist seine Verwirrung komplett. Er steht nicht zwischen Wolkenkratzern, sondern zwischen windschiefen Häusern auf einer kopfsteingepflasterten Strasse, er hat zwar noch sein Smartphone, aber kein Netz. Und die ihn umgebenden Menschen sehen mit ihren Perücken, ihren Miedern und Kniebundhosen auch nicht so aus, als ob sie gerade die News of the World in den Orbit twittern würden. Dummerweise ist auch die Suche nach der versteckten Kamera gänzlich erfolglos, dafür darf Henry sogleich eine rühmliche Rolle bei der Befreiung von Londons berühmtesten Dieb Jack Sheppard spielen. Als Hirngespinst haben Zeitreisen sicher etwas unbestreitbar Reizvolles. Henry aber, plötzlich ins London des Jahres 1724 versetzt, hat mit Gefahren zu kämpfen, aus denen ihn mehr als einmal nur sein schauspielerisches Talent zu retten vermag. Plötzlich findet er sich inmitten von Macheath' Umfeld wieder, er gehört zur Bande von Sheppard, arrangiert sich notgedrungen mit dem Gauner Blueskin, verliebt sich in die Hure Bess und wird ins berüchtigte Irrenhaus Bethlem Royal eingewiesen. Schließlich lernt er gar die Schöpfer der Bettleroper kennen, nicht ohne ihnen seinen Captain Macheath ans Herz zu legen, damit dessen Rolle auch ja eine bedeutende werden wird. Sein Schicksal verwebt sich immer mehr mit der Handlung der Bettleroper, ein Ausweg scheint ungewiss?.. "Gegen alle Zeit " ist ein gewagter Genre Mix aus historischem Roman, Krimi, Fiktion und Milieustudie, gewürzt mit ein wenig Romantik und einem guten Sinn für Situationskomik, insbesondere wenn Henrys Verständnis der Welt und seine ungewohnte Situation kollidieren. Der Roman spielt in den heruntergekommenen Vierteln Londons, seine Helden sind die gewitzten Diebe und die durchtriebenen Huren jener Zeit. Die Geschichte entwickelt sich rasant, Atempausen sind dem Leser nur vergönnt, wenn die Erzählperspektive wechselt. Der Leser erlebt das Geschehen meist aus der Sicht Henrys, einige Kapitel sind jedoch aus der Sicht anderer Protagonisten erzählt, was einem besseren Verständnis durchaus dienlich ist. Der Roman ist nicht nur sorgfältig recherchiert und von Anfang bis Ende gut durchdacht konzipiert, sondern auch atmosphärisch überzeugend. Als Leser fühlt man sich zurückversetzt in ein dreckiges, lautes und verruchtes London des frühen 18. Jahrhunderts. Die grundlegenden Zusammenhänge sind schnell durchschaut, doch sich entwickelnde Widersprüche führen dazu, dass man selbst als mit dem Hintergrund der Bettleroper vertrauter Leser nicht immer weiß, wo die Historie aufhört und Fiktion anfängt. Die vorherrschende Sorgfalt wird unterstrichen durch die sehr ansprechende Gestaltung des Buches. Großartige, teils ganzseitige Illustrationen von Tina Dreher untermalen die Handlung trefflich, darüberhinaus finden sich in den Klappendeckeln Stadtschnitte und Pläne der britischen Hauptstadt des 18. Jahrhunderts. Der Autor: Hinter dem Pseudonym Tom Finnek steht der im Westfälischen recht bekannte Autor Herbert "Mani" Beckmann, der sich mit münsterländischen Krimis und der historischen Moor Trilogie aus dem Book on Demand Bereich heraus bereits einen Bekanntheitsgrad erarbeitet hat. Sein Pseudonym setzt sich aus den Vornamen seiner Söhne zusammen und soll einen Leserkreis über lokale Verbindungen hinaus ansprechen. Gegen alle Zeit ist bereits der zweite historische Roman unter dem Namen Tom Finnek. Der erste "Unter der Asche" spielt ebenfalls im historischen London, im ausgehenden 17. Jahrhundert. Der dritte ist in Arbeit und soll die London-Trilogie abschließen. Für die große Fangemeinde historischer Romane dürfte Tom Finnek dank seiner detailgetreuen, aber rasanten Erzählweise eine echte Bereicherung sein. Tom Finnek Gegen alle ZeitLübbe Ehrenwith Dezember 2011ISBN 978-3-431-03843-9 Kommentare
Mein literarischer Jahresrückblick
- garantiert 100%ig subjektiv. Man kann viel sagen über das Jahr 2011, nur eines nicht: dass es ein schlechtes Bücherjahr war. Es gab selten so viele, so gute, so ambitionierte Neuerscheinungen wie in diesem Jahr. Der Gedanke liegt nahe, das Aufblühen des E-Book-Marktes (an dem ja auch unser geschätzter Blog-Inhaber, der frielinguistische Professor einen nicht geringen Anteil hatte) habe das Seine dazu beigetragen, Konkurrenz zu beflügeln. Subjektiv und positiv auffällig war mir in diesem Jahr fast durchgehend, dass die Verlage ihre Kommunikation mit ihren Lesern, aber auch den Rezensenten wesentlich offener und zielgruppenorientierter gestalten als noch in den Nuller Jahren. Wie auch immer, es waren also auch in diesem Jahr wieder Bücher, die mich getröstet, geleitet, abgelenkt, nachdenklich, traurig, fröhlich, neugierig gemacht haben. Natürlich gab es auch in diesem Jahr Bücher, denen man nur das Etikett "peinlichst gescheitert" überstülpen konnte, es gab etliches an Trivialität, welches ich erst gar nicht in die Hand genommen habe. Davon und von anderem vorerst gescheiterten Brimborium soll hier aber nicht die Rede sein. Zu meiner persönlichen Statistik: Gezählt habe ich sie nicht, die gedruckten Begleiter meines Jahres. Über den Daumen gepeilt geschätzte 70. Davon rezensiert 26. Ohne noch einmal in diese Rezensionen gelünkert zu haben, welche dieser Bücher werden mich auch im Nachgang weiter begleiten, welche würde ich jederzeit ohne Zögern empfehlen, von welchen rate ich ab? Mein Buch des Jahres: Elf Leben von Mark Watson. Diese Entscheidung fiel mir nicht ganz leicht, schlussendlich jedoch hat der Brite mein Rennen gemacht, weil Elf Leben einfach alles hatte: Es war fröhlich, es war traurig, es war überraschend, es war von hohem Wiedererkennenswert. Dem Briten ist es gelungen, einen schwierigen Kreis überraschend zu schließen und er ist sprachlich auf einem großartigen Niveau. Mark Watson schenkte mir Sätze, über die man erst leicht hinweg las, zu denen man dann tief betroffen zurückkehrte, um sie für immer in seinem Herzen zu bewahren. Mein liebstes deutschsprachiges Buch des Jahres: Die hellen Tage von Zsuzsa Bank. Ein Buch über Freundschaft und Liebe, Verrat und Aufopferung, Heimat, über Verlust und brüchige Idyllen, in einer so poetischen Sprache, dass man glaubte, ein Buch zu lesen, welches nicht von dieser Welt zu sein schien. Meine Entdeckung des Jahres: Paul Ingendaay, dessen gekonnter Umgang mit Sprache mir in den romantischen Jahren ebenfalls unvergeßliche Sätze schenkte. Der noch dazu das Kunststück fertig brachte, eine Geschichte zu erzählen, in der fast nichts passierte, mich aber dennoch keine Sekunde langeweilte. Beste Fiktion des Jahres: Grau von Jasper Fforde. Wahrscheinlich, weil er mir eine so nette Widmung geschrieben hat, hat Fforde bei mir ganz knapp gewonnen vor Gary Shteyngart mit der super sad true love story. Beste Liebesgeschichte des Jahres: Leon und Louise von Alex Capus. Bester Schmöker des Jahres: Die gelben Augen der Krokodile von Katherine Pancol. Debut des Jahres: Irgendwann werden wir uns alles erzählen von Daniela Krien. Spannendste Rezension des Jahres, da erstmals gemeinsam mit meinem Sohn gschrieben: das Jugendbuch Abaton von Christian Jeltsch und Olaf Kraemer. Sachbuch des Jahres: Wie veröffentliche ich ein E-Book auf amazon.de von Wilhelm Ruprecht Frieling. Richtigstellung des Jahres: Dat Schönste am Wein is dat Pilsken danach von Konrad Lischka und Frank Patalong. Biographie des Jahres: Für 'ne Moment von Wolfgang Niedecken. (Wobei, seien wir ehrlich, es war holprig zu lesen, aber W.N. kann mir ja auch Lieder von Leonard Cohen vorsingen, ich find ihn immer noch toll) Das sehr zu Unrecht am wenigsten beachtete Buch des Jahres: Der Seiltänzer von Michael Göring. Enttäuschung des Jahres: In Zeiten des abnehmenden Lichts von Eugen Ruge. Frechheit des Jahres: Ruß von Feridun Zaimoglu. Bestes Verlagsprogramm des Jahres: Leider schon wieder der innovative Eichborn Verlag. (Elf Leben, Grau und etliche andere richtig gute Bücher) Leider - weil Eichborn in diesem Jahr seinen Kampf aufgeben musste und in die Insolvenz ging. Mein innigster Bücherwunsch für 2012: Bastei Lübbe möge sein Versprechen halten und den Geist des Verlages mit der Fliege weiterleben lassen. Zwei Bücher gehören der Vollständigkeit halber noch in meine Liste 2011. Allerdings ausser Konkurrenz, da nicht in 2011 erschienen und auch nicht rezensiert. Das Buch, über das ich am längsten nachgedacht, das mich am betroffensten gemacht und das mich - obwohl schon Anfang des Jahres gelesen - wirklich bis heute beschäftigt: Siri Hustvedt - was ich liebte . Und ein Buch, welches mir von so vielen empfohlen wurde, mir als Trost gedacht geschenkt wurde und das ich als die größte Frechheit überhaupt empfunden habe: die unerträglich arrogante Erfindung des Lebens von Hanns Josef Ortheil. Dazu nur ein klares Finger weg. Zu den anderen genannten Büchern empfehle ich die ausführlichen, verlinkten Rezensionen in diesem mir sehr am Herzen liegenden Blog. Trilogien schienen dieses Jahr groß in Mode zu sein, einige der genannten Büchern waren Teil eins einer als Triologie angelegten Reihe (Abaton, Grau und die gelben Augen), so daß ich mich schon jetzt auf das Bücherjahr 2012 freue. An dieser Stelle auch ein Danke an meine Leser, die so zahlreich und treu meine Rezensionen begleitet haben. Auf Wiederlesen 2012. Kommentare
Katherine Pancol - die gelben Augen der Krokodile
Es ist schon einige Zeit her, dass ein Bericht im Sonntags-Feuilleton über eine französische Neuentdeckung und eine nicht nur in Frankreich Erfolge feiernde Trilogie meine spontane Neugier weckte. Die Rede war von einem fein gezeichneten, mitreißenden Familienroman, einem echten Schmöker - genau das, was ich zu gerne lese und was mir allzu oft als übersteigerte, intellektuelle Selbstbeweihräucherung oder als Kitsch pur serviert wird. Zum Ende des Bücherjahres 2011 ist es soweit. Teil eins der Trilogie ist übersetzt und enttäuschte mich nicht. Auch in Deutschland kann man sich nun mit den gelben Augen der Krokodile in eine französische Sippe verlieben. Witzig und anrührend erzählt die Autorin Katherine Pancol ein modernes Märchen über eine Pariser Familie. Im Mittelpunkt stehen zwei Schwestern, die schöne Iris und die komplexbeladene Josephine. Iris mit den vorstellbar blauesten Augen der Welt wird zwar von einem zwanghaften Geltungsbedürfnis getrieben, hat aber weder Lust noch Disziplin, eine eigene Persönlichkeit zu entwickeln. Josephine, frisch verlassen von ihrem nichtsnutzigen Ehemann, der mit einer Jüngeren skurrilen Selbstverwirklichungsideen hinterher jagt, ist Historikerin am Küchentisch, Expertin für das 12. Jahrhundert und schlägt tapfer die Alltagsschlachten einer alleinerziehenden Mutter. Die Geschichte der Schwestern dreht sich um einen Roman im Roman. Iris behauptet auf einer Soiree aus einer Laune heraus, einen Roman über das 12. Jahrhundert in Arbeit zu haben und kommt aus der Nummer nicht mehr heraus. Josephines Geldsorgen lassen sie ein unmoralisches Angebot ihrer Schwester annehmen. Sie schreibt den Roman, Iris veröffentlicht ihn unter ihrem Namen und vermarktet ihn erfolgreich nach allen Regeln medialer Kunst. Für Josephine ist das Schreiben zunächst nur ein Mittel zum Zweck, doch ihre neu entdeckte Kreativität verändert sie. Sie wird selbstbewusster, aufbegehrender, verliebt sich sogar und bekommt ihr Leben in den Griff. Iris aber erkennt im Strudel der nachfolgenden Ereignisse, dass es für sie schon zu spät könnte, um aus ihrem Leben mehr als eine Farce zu machen. In diese Kernhandlung sind diverse Nebenhandlungen eingeflochten, nach und nach werden immer mehr Figuren und ihre Geschichten eingeführt Ein gewagtes Unterfangen, doch dank der leichten, aber klaren Sprache der Autorin verliert der Leser nie den Überblick über die ganze Sippschaft und ihren eigenwilligen Dunstkreis. Katherine Pancol nutzt die Aschenputtel-Thematik, um mitreißend über Erfolg, Demut, Lüge, Verrat, Familien und das Leben zu erzählen. Ihre Charaktere und Geschichten sind gelegentlich so surreal und abstrus überzeichnet, dass man sich unwillkürlich fragt: Ist das nun wirklich so kitschig, fantastisch absurd oder spielt die Autorin hier gekonnt mit Klischees? Ihr sprachliches Niveau, der Wechsel zwischen Leichtigkeit und Ernsthaftigkeit, der immer wieder aufscheinende bissige Humor, all dies führt mich zu der Meinung: Katherine Pancol jongliert geschickt mit Klischees und Stilmitteln. Auf hohem Niveau gelingt es ihr, eine besondere Atmosphäre zu verdichten und ihre Charaktere tief emotional zu begleiten. Sie beweist augenzwinkernden Sinn für Alltagskomik ? etwa, wenn es um Josephines Kinder geht, den schlussendlich nur noch trotteligen Ex-Ehemann oder um den liebenswerten Stiefvater und seine junge Geliebte. Die Schilderung französischer Lebensart und der boshafte Blick auf die Pariser High Society tun ihr Übriges, um dieses Buch zu einem besonderen Lesevergnügen werden zu lassen. Der Stilmix weckt Erinnerungen sowohl an den Filmklassiker "eine einfache Geschichte" als auch an "die fabelhafte Welt der Amelie". Ich habe dieses Buch gerne gelesen. Endlich mal wieder ein Schmöker, der diesen Namen verdient, mit dessen Charakteren ich so mitgefühlt habe, dass ich gelegentlich der Versuchung nicht widerstehen konnte, vorzublättern, um wenigstens grob den Fortgang der Geschichte zu erfahren, bevor ich das Buch abends aus der Hand legen musste. Aber auch ein Buch, welches den an vielen Fronten kämpfenden Frauen unserer Zeit durchaus kathartische Erlebnisse beschert. Wenn nämlich genau die Frauen vom Karussell des Lebens fallen, die anderen schon immer auf die Nerven gingen und deren Leben unnötig noch schwerer machten. Fazit: Wer gerne ohne Verzicht auf geistreiches Niveau in Familiengeschichten schmökert, ist mit den gelben Augen gut beraten. Ich jedenfalls freue mich sehr auf die sich laut Verlagsinformation in Vorbereitung befindlichen Teile zwei und drei der Trilogie, um schnellstens zu erfahren, wie es mit Josephine und ihren Lieben weiter geht.Die Frage, was dies alles mit Krokodilen zu tun hat, werde ich hier übrigens nicht beantworten. Dieser Einfall ist viel zu skurril, fantastisch, überraschend und wirklich witzig, als dass ich ihn in einer Rezension vorwegnehmen werde. Katherine Pancol Die gelben Augen der KrokodileC. Bertelsmann Verlag 2011ISBN 3-978-3-570-10086-8 Kommentare
Dat Schönste am Wein is dat Pilsken danach
Wie das Leben manchmal so spielt, müssen zwei im Ruhrgebiet geborene und sozialisierte Journalisten erst an die Alster ziehen, um sich kennen und schätzen zu lernen. Die Spiegel-Online Autoren Frank Patalong und Konrad Lischka stellten beim Feierabend-"Pilsken" fest, "dass man den Ruhrie in sich nie ganz ablegen kann." Die beiden entdeckten viele Gemeinsamkeiten, aber auch einen entscheidenden Unterschied. Frank Patalong (Jahrgang 1963) wuchs im von der Stahlindustrie geprägten Duisburg auf. Er erlebte die Zeit, in der es Konsens war, Ruß, Dreck und Gift im Tausch gegen Arbeitsplätze in Kauf zu nehmen und den heimischen "Monte Schlacko"* als größtmöglichen Abenteuerspielplatz zu akzeptieren. Konrad Lischka (Jahrgang 1979) hingegen wurde Anfang der achtziger Jahre in Essen mit dem Strukturwandel groß. Er erlebte Zechen und Stahlwerke oftmals nur noch als Kulisse für postapokalyptische Foto-Szenarien oder als einzigartige Räume für die durchlässige Subkultur des Ruhrgebiets. Seine Halden waren schon die von Menschen gemachten Landschaftsparks, die viele heute für Natur halten. Grund genug für die beiden, zu ihrem journalistischen Rüstzeug zu greifen und gemeinsam ein ehrliches Buch über das Ruhrgebiet und ihre Bewohner zu schreiben. Ihr Blick auf die "wunderbare Welt des Ruhrgebiets" ist oft kritisch, immer aber auch liebevoll. Sie erzählen persönliche Geschichten aus dem (Er-)Leben ihrer Familien und damit über zwei völlig unterschiedliche Zeiten und zwei völlig unterschiedliche Ruhrgebietswahrnehmungen. Ihr Buch ist aber bei weitem nicht nur eine Anekdoten- und Geschichtensammlung. Ihre Berichte bilden den Rahmen für eine subjektive und spannende Analyse des Ruhrgebiets. Es sind erstaunliche, manchmal auch schmerzliche Erkenntnisse, die die beiden da zu Tage fördern. Viele Gedanken, von den meisten im Ruhrgebiet Lebenden erst gestreift, haben die beiden zu Ende gedacht. Mit Vielem haben sie Recht, dies muss auch ich als Ruhrgebiets-Eingeborene (nicht immer gerne) unumwunden zugeben. Ich habe mich sehr oft wieder erkannt. Sie haben Recht mit ihren liebevollen Blicken auf die mutige, oft trotzige Beharrlichkeit des "Ruhries", die Herausforderungen der Zukunft anzunehmen. Es stimmt, der Ruhrgebietler kultiviert den Malocherpathos, ist aber auch stolz auf die einzigartigen Kultur- und Landschaftsräume. Ich geben Ihnen aber auch Recht mit ihrer desillusionierenden Feststellung, "Reg Dich nicht auf, hat doch keinen Zweck" wäre ein ausgezeichnetes Leitmotiv für eine noch zu entwerfende Ruhrpottflagge. Fatalismus hat im Ruhrgebiet Tradition und auch die ach so vorbildliche, gerühmte Multi-Kulti-Toleranz ist schlicht und ergreifend oft genug einfach nur Ignoranz und nebeneinanderher leben. Hauptsache, man fällt nicht auf, passt sich an, kappt seine eigenen Wurzeln und wird zum "Ruhrpötter". Lischka/Patalong fassen es treffend zusammen:"Der bewährte Ruhrreflex gegen alles, was uns die Schattenseiten vor Augen führen könnte:Woanders ist auch scheiße". Die beiden Autoren dürfen meckern. Sie sind aus dem Ruhrgebiet, sie lieben den Pott, man liest es aus jeder, auch noch der kritischsten Zeile heraus. Und sie meckern ja nicht nur, sie zeigen uns auch ihre persönlichen Lieblingsplätze und geben jede Menge feine Tipps für alle Lebenslagen. So ist ihr Buch ein empfehlenswerter Schmelztiegel geworden, genau wie das Ruhrgebiet selbst. Es sei jedem Ruhrgebietler empfohlen, der eine kritisch liebevolle Auseinandersetzung mit seiner Heimat verträgt und darüber hinaus jedem, der immer schon mal erfahren wollte, wie es im Ruhrgebiet abseits von der in den Medien oft so gern überzeichneten Tristesse wirklich ist. Das Ruhrgebiet ist heute vom Strukturwandel gezeichnet, "ein Ort, wo fast alles verschwinden oder sich zumindest jederzeit verwandeln kann". Im Guten wie im Schlechten. Sagen wir es mit dem im Buch oft zitierten Kumpel Schibulski "Ewich gibbet nich. Wat bleibt, iss, wie die Leute sind." Konraad Lischka/Frank Patalong Dat Beste am Wein is dat Pilsken danach Die wunderbare Welt des Ruhrgebiets Lübbe Verlag, November 2011 ISBN 978-3-7857-2439-2 Anmerkung: Der Titel zitiert einen im Ruhrgebiet allgegenwärtigen Trinkspruch, welcher dem verstorbenen Dortmunder Oberbürgermeister Samtlebe zugeschrieben wird. *ortsübliche Bezeichnung für die im Ruhrgebiet allgegenwärtigen Halden Kommentare
David Baldacci - die Spieler
Annabelle Conroy ? ebenso schöne wie begabte Trickbetrügerin ? hat den ebenso skrupellosen wie mächtigen Kasinobesitzer Jerry Bagger aus Rache für die Ermordung ihrer Mutter um sagenhafte 40 Millionen Dollar erleichtert. Nun ist sie vor dem auf Rache sinnenden Unsympath auf der Flucht. Zum Glück gibt es Oliver Stone und seine bekannten Mitstreiter aus dem Camel Club - immer auf der Suche nach der Wahrheit, gerne aber auch auf Vergeltung und Rache sinnend. Der Camel Club bietet Annabelle Schutz und Unterstützung, doch unversehens wendet sich das Blatt und der Club kann seine Zusage nicht nur nicht einhalten, er braucht seinerseits die Hilfe Annabelles. Stone wird von seiner bis dato streng geheim gehaltenen Vergangenheit eingeholt und muss sich auf einen gnadenlosen Überlebenskampf mit ehemaligen Mitstreitern aus seiner CIA-Zeit einlassen. So wirklich haben beide Storylines nichts miteinander zu tun, Baldacci gelingt es in seinem Thriller aber gekonnt, diese spannend zu verweben. Die Spieler, nun als Taschenbuch erschienen, sind der dritte Teil der Reihe um den Camel Club. Wie man es von Baldacci erwartet, surren die Verschwörungstheorien dem Leser nur so um dem Kopf, die Grenzen zwischen Gut und Böse verschwimmen, das Katz-und-Maus Spiel hält die Spannung bis zum furiosen, blutgetränkten Finale. Gut, stattgegeben ? hohe Literatur ist das nicht. Manches zu konstruiert, manches zu zufällig, manch Protagonist zu sehr mit der Schablone gezeichnet, manch zeitliche Abfolge mit Macht so hingebogen, dass es so gerade eben noch in den vorgegebenen Rahmen passt und der Charakter Harry Finn erinnert sicher auch nicht zufällig an Jack Ryan. Aber ? mal ehrlich, ein gut gestrickter Thriller zwischendurch muß auch mal sein. (zumal, wenn der Titel so dezent auf einen unser tapferen Mit-Rezensenten verweist ). David Baldacci ist ein amerikanischer Thriller-Autor und Bestseller Garant. Seine Romane wurden in mehr als 45 Sprachen übersetzt und erreichen weltweit eine Gesamtauflage von über 40 Millionen Exemplaren. Sein erster Roman "Der Präsident" ( Absolute Power ) war ein durchschlagender Erfolg und wurde kurz darauf verfilmt. In den letzten Jahren gab es immer wieder Romane von ihm, die nur bedingt überzeugen konnten. Mit inzwischen drei Romanserien scheint es, als liefe er sich selbst hinterher und nicht wenige seiner Fans bemängelten holzschnittartige Schluddrigkeiten und wenig Spannung. Mit den Spielern kriegt er aber nun wieder die Kurve und liefert solide Kost. Spannend und flüssig, ein Pageturner, dessen Auflösung man entgegenfiebert. Es steht Thriller drauf, es ist Thriller drin. Mehr braucht es eben manchmal nicht. David Baldacci Die Spieler Bastei Lübbe, TB 2011ISBN 978-3-404-16080-8 Kommentare
Stephen King ? 11.22.63
Jake Epping, 35, ist Englischlehrer in Lisbon Falls, einem Nest in Maine und führt ein eher durchschnittliches Leben. Das ändert sich jedoch schlagartig, als ihm sein Kumpel AL Templeton in der Abstellkammer seiner Imbissbude ein Tor in die Vergangenheit zeigt. Die Regeln sind einfach: Bei jedem Eintritt gelangt man zum 9. September 1958 und bei jeder Rückkehr sind in der Gegenwart genau zwei Minuten vergangen. Außerdem wird bei jedem erneuten Durchschreiten ein kompletter Reset gestartet, sämtliche bei vorherigen Besuchen ausgelösten Änderungen sind hinfällig. Al hatte einen großen Plan: Er wollte in der Vergangenheit bis zum Jahr 1963 ausharren und den Mord an Präsident Kennedy in Dallas verhindern, indem er den Attentäter Lee Oswald vorher tötet. Lungenkrebs im Endstadium zwingt ihn jedoch zur vorzeitigen Rückkehr und er bittet Jake, den Job zu übernehmen. Dessen anfängliche Skepsis wird bald von Neugier besiegt und so stürzt er sich in das ungewöhnliche Abenteuer. Vor der Rettung des Präsidenten muss er aber noch einem Freund helfen und eine Familientragödie verhindern; er reist nach Derry (treue King-Leser wissen, was 1958 in Derry geschah). Doch das ist erst der Anfang, auf Jake wartet nicht nur die Liebe seines Lebens, sondern auch eine Vergangenheit, die sich partout nicht ändern lassen will... Es gibt im Leben Momente, in denen man innehält, weil einem bewusst ist, dass das soeben Geschehene den Lauf der Geschichte nachhaltig verändern wird. Der 11. September war so ein Ereignis, die Ermordung von John F. Kennedy ein anderes. Es gibt darüber unzählige Bücher, Filme und Dokumentationen; Lou Reed hat ein wunderbar anrührendes Lied geschrieben (?The day John Kennedy died?), auch Axl Rose sang: ?It was my first memory when they shot Kennedy?. Und nun nimmt sich also der erfolgreichste Schriftsteller der Welt des Themas an. King wählt dabei jedoch einen anderen Ansatz: Er lässt die Verschwörungstheorien (an die er übrigens im Gegensatz zu seiner Frau nicht glaubt) weitgehend außen vor und schickt seinen Ich-Erzähler in die Vergangenheit um diese zu ändern, mit allen (unbekannten) Konsequenzen. Er hält sich dabei eng an die historischen Vorgaben der Personen und Schauplätze im Dunstkreis von Oswald und verleiht dem Roman somit zusätzlich Authentizität. Natürlich ist auch das Leben in dieser Zeit ein weiteres Hauptthema und dieses Leben ist durchaus zwiespältig, denn neben der unbeschwerten Fröhlichkeit kleinstädtischer Tanzveranstaltungen und nachbarschaftlicher Empathie haben ebenso provinzielle Bigotterie und alltäglicher Rassismus ihren festen Platz. Highlights sind die problematischen Situationen, die bei Zeitreisen auftreten können: Wenn der Held beispielsweise nach seinem (nicht vorhandenen) Handy greift oder durch das laute Absingen obszöner Rolling Stones-Verse für Verwirrung sorgt. Der Erzählstil ist packend, wie meist bei Stephen King, der Leser ist mittendrin im Geschehen und wird trotz einiger Längen im Mittelteil gefesselt von den Ereignissen. Da der Autor auch eine Reise in die eigene Vergangenheit unternimmt, gibt es ein Wiederlesen mit Protagonisten aus ?Es?; Nostalgie pur für die Fans. Obwohl das Thema Zeitreisen schon bei ?Langoliers? behandelt wurde, weist der neue Roman eher Parallelen zu ?Dead Zone? auf, nicht nur weil dort ebenso durch ein politisches Attentat die Zukunft geändert werden soll, sondern auch wegen der nicht ganz unbedeutenden Nebenhandlungen. Und klar: Die Polizei von Dallas bekommt ordentlich auf die Mütze, mehr als bei ?Tommyknockers?. Stephen King wollte dieses Buch eigentlich schon 1972 schreiben und es ist gut, dass er gewartet hat, denn das Thema bewegt immer noch viele Menschen und es ist zu bezweifeln, dass er eine derart komplexe Aufarbeitung und Umsetzung schon in jungen Jahren hinbekommen hätte. Heute kann man mit Fug und Recht sagen, dass dem Meister wiederum ein großer Wurf gelungen ist. Stephen King 11.22.63 Hodder, November 2011 ASIN: B005LCYR7Y Kommentare
Ruß - Feridun Zaimoglu
Stereotypen wiederholen sich doch. Willkommen im beliebtesten Handlungsort Deutschlands für überzeichnete Tristesse: Duisburg. Willkommen in abgewrackter Ruhrpott-und Malocher Folklore. Willkommen in Ruß, dem neuen Roman von Feridun Zaimoglu. Willkommen in einem arg dürftigen Handlungsgerüst. Schnell erzählt: Dem Arzt Renz wurde seine Frau ermordet. Resigniert und desillusioniert wird er zum Säufer, mühsam aufrecht gehalten von seiner Arbeit als Budenmann am Ruhrorter Neumarkt. "Nach und nach isst er die Asche seiner getöten Frau direkt aus der Urne" , findet seltsamen Trost in dilettantischer Ikonenmalerei. Die trügerische Ruhe wird gestört durch höchst unklare, undurchsichtige Gesellen, die ihm aus ebenso unklaren Motiven zur Rache verhelfen wollen. Der Tag der Haftentlassung des Täters naht und Renz lässt sich auf eine Jagd durch Deutschland nach Polen, schließlich Österreich ein ? um zu einem so vorsehbaren wie unbefriedigendem Showdown zu gelangen. Besessen von Sprache, mit unbändiger Lust am Spiel mit derselben malt Zaimoglu das Bild eines verlorenen, düsteren, labyrinthischen Ruhrgebiets, bevölkert von Pappkameraden mit vernarbten Lebensgeschichten. Spürbar ist der Autor vom Willen getragen, mit einer von Überflüssigem befreiten Poesie des Unschönen Literaturgeschichte zu schreiben. Den realen ruhrischen Umgangston löst er solange aus seinen Ursprüngen heraus, bis eine künstlich anmutende Umgangssprache entstanden ist. Ich für meinen Teil ( in Duisburg pottriotisiert ) ? ich mag mein Ruhrisch, aber so wie die blassen Zecher am Kiosk spreche ich ganz sicher nicht. Ich habe mich nicht willkommen gefühlt im Ruß Zaimoglus. Mir hat das Buch nicht gefallen. Und zwar nicht nur, weil das Buch ganz sicher nicht gefallen will. Es will verstören und aufrütteln ? aber das ist ein schmaler Grat. Ein Grat, der im Buch zu oft verlassen wird. Ein Grat, auf dem die Charaktere mühsam kippeln. Genauso mühsam, wie das Buch zu lesen ist. Gerade zum Ende hin erzeugt das Buch nichts als Überdruß. Gleichwohl ? wir wollen fair bleiben. Finsternis, Verzweiflung und Alkoholismus nehmen keineswegs ab, wenn die Handlung sich an andere Orte verlagert. Im Gegenteil ? immer neue Lügengeschichten treiben das Verwirrspiel noch wüster voran. Der Leser weiß nicht nur, wem er glauben, trauen, schauen soll - er weiß auch nicht, liest er nur eine Road-Novel, einen Thriller oder doch vielleicht einen Heimatroman der anderen Art. Auch die Kritikpunkte an der oft zu bemühten Sprache Zaimoglus ? sie relativieren sich, wenn man sie mit der Sprache anderer, in diesem Jahr preisgekrönter Romane vergleicht. ( Ich sage nur : "Nämlich, dass?") Seien wir dankbar, wenn wir einen Autor haben, der mit Sprache ringt, sie respektiert, ja, sie letztendlich in den Mittelpunkt seiner Bemühungen stellt. Und ? für einen ganz großen Pluspunkt hat es sich gelohnt, das Buch gelesen zu haben: Zaimoglus Beschreibung der im Metropolenwahn der Kulturhauptstadt entstandenen Pseudo-Hochglanz- Locations wie dem Duisburger Innenhafen trifft es wie keine von mir bisher gelesene und legt den Finger genau in das wunde Herz derer, die nicht wollen, dass aus ihrem Ruhrgebiet eine öknomischen Zwängen untergeordnete kalte Ruhrstadt werden soll. Vielleicht hätte mir das Buch besser gefallen, wenn der Vorab-Trommelwirbel des Verlags mir nicht die "große, deutsche Saga aus dem Ruhrgebiet " versprochen hätte und meine Erwartungshaltung nicht die einer Ruhrgebietlerin gewesen wäre, welche in einem Roman über das Ruhrgebiet wirklich gerne etwas anderes als Klischees lesen würde. Sicher ? es ist das Recht eines jeden Autors, seinen Handlungsort so trist und grau zu malen, wie es ihm beliebt. Sicher ? Zaimoglu ist in guter Gesellschaft. Viele seiner Figuren und Orte erinnern an synthetische Versatzstücke aus Filmen, Büchern, Hörspielen über das Revier. (Duisburg-Ruhrort- so der Titel des allerersten Schimanskis. Seitdem hat wohl jeder in Deutschland eine verbriefte Vorstellung des Ortsteils. Die Schifferbörse, der schöne alte Ortskern, die sorgfältige restaurierte Promenade und das Haniel Haus gehören nicht dazu.) Dennoch- ich kann es nicht mehr hören. Dieses triste, trostlose Bild unserer Region und wenn die Süddeutsche noch so selbstgerecht urteilt: "Ein lebenskluger Roman über Deutschlands verwildernden Westen". Ich sehe sie förmlich vor mir: die deutsche Intelligenzija in ihren Lese-Fauteuils, wie sie aus sicherer Distanz selbstgefällig urteilen, welch ein Kenner mit "Ruß" doch am Werke war . Wie bestätigt man nun doch in der von den armen Ruhrgebiets-Eingeborenen so vehement abgestrittenen Darstellung des Ruhrgebiets als Tristesse pur ist. Dass Zaimoglu selbst freundlich erklärte, die "Ruhries in ihrer Discount-Diaspora durchaus zu lieben", macht mein Gefühl nach diesem Buch nicht weniger schal. Ich kann es nicht mehr hören. Gerade weil ich seit jeher oft und gerne sage: "Solln Se doch so reden, dann bleiben Se uns wengstens erspart, solche Fuzzis. Ohne die warn wa hier immer schon besser dran " werde ich hier nichts weiter zur Ruhrgebietsverteidigung hinzufügen. Wartet in Ruhe ab. Eine meiner nächsten Rezis. Ich hab da noch watt Feinet inne Hinterhand. Feridun Zaimoglu kam 1965 mit seinen Eltern nach Deutschland und lebt in Kiel. Nach angefangenem Studium der Medizin und der Kunst arbeitet er als freier Schriftsteller. Seit seinem viel beachteten Erstlng "Kanak Sprak" wendet er sich in seinen literarischen Werken Gegen einen romatischen Multikulturalismus. Feridun Zaimoglu/Ruß Verlag Kiepenheuer und Witsch, 2011 ISBN 9783462043297 Kommentare
Abaton - Vom Ende der Angst
Faszinierend und beängstigend zugleich ? so kündigte der Jugendbuchverlag Mixtvision "ABATON ? Vom Ende der Angst" an. Ein Omen? Zwei angesehene Drehbuchautoren tun sich zusammen, um gemeinsam als Jugendbuch-Autoren zu debütieren. Kann so etwas gut gehen? Schon der Prolog beweist: Hier wird der ganz große Bogen gespannt. Unter einer Trilogie tun es Christian Jeltsch und Olaf Kraemer nicht. Von im zweiten Weltkrieg mundtot gemachten, verkannt genialen Wissenschaftler bis zu Fragen von brennender Aktualität hat das Autoren-Duo sich einiges vorgenommen. Und zwar nicht irgendwie: Kraemer/Jeltsch bezeicnen ihr Genre selbst als Science Faction, verweben Mysteriöses mit realen jugendlichen Lebenswelten und tüten das Ganze spannend ein. Schon auf dem Cover begegnen wir dem hypnotisierenden Sonnenrad, innen durchziehen blaugedruckte Datenreihen das Buch und geben ganz im Stil amerikanischer Easter-Egg-Tradtion noch mehr Rätsel auf. Edda, Linus und Simon sind drei eigentlich ganz unterschiedliche Jugendliche. Und doch ist es kein Zufall, dass sie sich in einem Feriencamp kennen lernen und als "kritische Masse" schnell seltsame Gemeinsamkeiten finden. Gemeinsamkeiten, gegen die sich zunächst noch wehren, die sie aber bald erkennen lassen, dass sie nur zusammen bestehen können. Bestehen gegen mysteriöse Geschehnisse, die auch ausgebufftere Jugendliche zu Tode ängstigen könnten. Das Camp erweist sich als manipulierende Forschungsstation, aus der noch die nervigsten Nerds als supercoole, jedoch fixierte Kids wieder rauskommen. Die drei verbindet eine gebrochene Kindheit ? Simons Vater im Gefängnis, Edda Mutter in der Klapse und Linus Eltern komplett verschollen. Auf der Suche nach Linus Eltern entdecken sie im Berliner Untergrund mysteriöse Graffiti ( das Sonnenrad! ), die ihren Alltag in eine andere Ebene verschieben. Eine Ebene, in die sie immer wieder hineingezogen werden , in der nichts ist, wie es scheint, eine Ebene, die Angst machen, aber auch nehmen kann. Kraemer/Jeltsch haben ihr Debüt in die ihnen bekannte Form eines Drehbuchs gepackt. Ein kluger Schachzug, der den Verzicht auf herkömmliche Kapitel legitimiert und den Autoren das gemeinsame Schreiben, sowie den mühelosen Wechsel zwischen Erzählperspektiven und Zeiten ermöglicht. Auch dem nicht so ausdauernden Leser wird so die Chance gegeben, immer nur kurze Abschnitte zu lesen und trotzdem nie den roten Faden zu verlieren, den die Autoren stringent durch die verwirrende Handlung führen. Offizielle Altersangabe: für Jugendliche ab 14, aber "wie jedes gute Jugendbuch auch für Erwachsene". Nun denn, auch die erwachsene Leserin hat eine Meinung, zunächst aber ?wenn man sie schon im Haus hat ? eine Kritik aus der Zielgruppe. Malte, 14: Zuerst ein kleiner Kritikpunkt, damit die Rezension nicht so klingt, als würde ich Geld für eben diese bekommen. Zu den Namen der Kinder Edda, Linus und Simon. Sie passen meiner Meinung nach nicht gerade zu einem Jugendthriller, der im 21. Jahrhundert spielt. Jugendliche identifizieren sich eher mit Namen wie Nina, Mark und Jan oder anderen "modernen" Namen, auch wenn zumindest der Name Edda im Buch von ihr selber kritisiert wird. Diesem Kritikpunkt stehen jedoch eine ganze Menge positiver Punkte gegenüber. Schon am Anfang beginnt die Story sehr rätselhaft und vielschichtig, da innerhalb von wenigen Seiten aus mehreren Sichten und in 2 Epochen berichtet wird. Im Laufe des Buches entwickelt sich die Story zu einer Mischung aus Matrix und in Teilen Tintenherz, da sie trotz aller Dramatik auch sehr fantasievoll und teilweise auch romantisch ist. Ein Lob auch an die Autoren, denen eine gigantische Story eingefallen ist, die zum einen nicht von anderen Büchern kopiert wurde und zum anderen auch genial in ihrer Form ist. Die Ereignisse in der Story fügen sich nahtlos ineinander als wären sie Zahnräder, was vielen Jugendromanen heutzutage leider nicht mehr gelingt. Besonders am Ende des Buches war es schwer von der Geschichte abzulassen und man hat sich gefragt, was als nächstes passiert und wirklich mit den Charakteren mitgefiebert. Mein persönliches Fazit: Das Buch ist ein Buch der Kategorie, die ich gerne und ohne schlechtes Gewissen 2 oder 3 mal lese und welche ich auch gerne Freunden weiterempfehle. Dank der gelungenen Story und da ich nach dem Cliffhanger am Ende des Buches unbedingt wissen möchte, wie es weitergeht, fiebere ich dem nächsten Buch der "Abaton" Trilogie Ende 2012 schon entgegen. Fazit der Rezensentin: Spannend war es, keine Frage. Neu auch. Da hat Malte Recht. Nichts Abgekupfertes gefunden. Selten heutzutage. Und das bei so einer komplexen Struktur. Homogen geschrieben ? trotz oder gerade wegen der zwei Autoren, denen es bei aller "Science Faction" gelingt, nahe an jugendlichen Gedankenwelten zu sein ? wohlgemerkt, ohne auch nur einmal den pädagogischen Zeigefinger zu heben. Rund ist es nicht, soll es auch nicht sein. Schließlich: unter einer Trilogie tun es die Autoren nicht. Abaton ist im orthodoxen Glauben das Allerheiligste. Der Ort den nur wenige Erwählte kennen lernen dürfen. So darf man spekulieren, dass genau darin wohl auch die entscheidende Frage für Edda, Simon und Linus liegen wird: Was genau ihr persönliches Abaton ist und ob das Ende der Angst nun eine befreiende oder eine erst recht beängstigende Vorstellung ist. Die Autoren: Christian Jeitsch ist ein Grimme- und Fernsehpreis-dekorierter Drehbuchautor ( diverse "Tatörte", Polizeirufe u.a. Olaf Kraemer, Buch- und Filmautor, wurde bekannt mit der Uschi-Obermaier-Biografie "High Times?, die nach seinem Drehbuch unter dem Titel "Das Wilde Leben? erfolgreich verfilmt wurde. Einen gelungenen Einstieg in die Abaton-Welt bietet die schick gestaltete Homepage zum Projekt. Christian Jeltsch/ Olaf Kraemer Abaton - Vom Ende der Angst Mixtvision Verlag, München 2011 ISBN 978-3-939435-38-9 Kommentare
Nur heute: Zwei Bücher von Haruki Murakami gratis!
Achtung aufgepasst: Nur heute bis 23 Uhr 59 gibt es die ersten beiden Teile der Romantrilogie 1Q84 des japanischen Literaten Haruki Murakami gratis als Kindle-Edition. Wer Interesse hat, also schnell zugreifen: http://www.amazon.de/1Q84-Roman-ebook/dp/B004WMP6T2/ref=sr_1_1?s=digital-text&ie=UTF8&qid=1320337031&sr=1-1 Etwas mehr Zeit, bis zum 13. November, verbleibt, um 99 englische E-Books für 99 Cent zu erwerben. Viel Spaß, ich habe mich schon bedient: http://www.amazon.de/gp/feature.html/ref=amb_link_161454767_2?ie=UTF8&plgroup=1&docId=1000576963&pf_rd_m=A3JWKAKR8XB7XF&pf_rd_s=center-2&pf_rd_r=0YWY94RZT8QT68DXS3C6&pf_rd_t=101&pf_rd_p=258064247&pf_rd_i=567135031 Kommentare




